Montag, 6. Juni 2016

Speedcheck im Spreewald

Heute habe ich mich entschlossen, mal ein bisschen mehr Tempo zu machen. Daher habe ich mich für die heutige Etappe von Radebeul zum Tropical Islands beim Team LTE (Long Tour Enterprise) von Hergen eingeklinkt. Normalerweise fahren die die lange Strecke, aber heute wird nur eine Strecke angeboten, und da musste ich einfach zuschnappen. Wobei - 143 km sind ja auch nicht gerade kurz. Aber durch überwiegend sehr flaches Gelände sollte das machbar sein. Mein Hintern und die Beine sind ja mittlerweile Einiges gewohnt.
Die Nacht war übrigens fanfartastisch, um mal ein gewagtes Wortspiel zu bringen. Am Wochenende tagt der Deutsche Evangelische Posaunentag in Dresden. Und das haben scheinbar einige meiner direkten Hallennachbarn zum Anlass genommen, nach Herzenslust in den Nachthimmel zu posaunen. Wie gut, daß ich eine ziemliche Bettschwere und einen gesegneten Schlaf habe. Morgens gab es - ich glaube, es war tatsächlich das erste Mal im Camp (Prag zählt nicht, da waren wir ja im Hostel), daß es Kaffee gab. Und richtige Brötchen, auch wenn sie hier Strippen heißen. Und nicht diese langgezogenen gummiartigen Tschechenbrötchen. Gut gestärkt ging es also in einer 7er Gruppe los. Zu Beginn hatten wir direkt die höchste Erhebung des Tages vor uns, um aus dem Elbtal zu gelangen. Und dann kam schon Schloss Moritzburg. Kennt jeder! Sollte zumindest jeder kennen! Ich kannte es nicht! Mir wurde aber gesagt, daß zu Honeckers Zeiten hier mal der berühmte Film '3 Nüsse für Aschenbrödel' gedreht wurde. Den kenne sogar ich! Leider läßt Hergen seinen sechs Zwergen (Achtung! Noch ein Wortspiel) keine Zeit, sich ausreichend diesem kulturellen Kleinod zu widmen sondern prescht davon als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Na ja, wir sind ja auch nicht zum Kulturbummel hier, sondern zum Radfahren. Also weiter nach Norden durch die Lausitz, keine Ahnung ob Ober- oder Nieder-. Jedenfalls wird das Wetter nach anfänglicher Bewölktheit immer Besser und letztendlich hole ich mir trotz Sonnencreme einen ordentlichen Sonnenbrand. Nach den Regengüssen der letzten Tage zumindest eine Alternative.
Irgendwann kommen wir durch ein riesiges Braunkohleabbaugebiet. Anfangs müssen wir die Räder sogar noch etwas über die gerade im Bau befindliche Strasse schieben, aber dann empfängt uns eine tolle glattasphaltierte Strasse, auf der es sich herlich rollen lässt und unser Schnitt Umdrehung für Umdrehung nach oben geht. Am Ende des Tages haben wir einen Schnitt von 26,5 km/h auf 152 km. Das habe ich bisher noch nicht geschafft. Der Nutritionpoint ist wie immer Treffpunkt und Energiequelle. Unsere Nutritionmen sagen uns, daß wir die zweite oder dritte Gruppe sind. Dank des Hergen-ICE sind wir ganz nah am Treppchen.
Unterwegs nehmen wir noch Jorge (gesprochen: Choche) aus Spanien auf. Bei dem Namen muß ich immer an diesen schwulen (Verzeihung für meine politisch völlig unkorrekte Bezeichnung) Tanzjuroren bei 'Let's Dance' denken. Aber unser Jorge war viel cooler. Und schneller. Zusammen ging es durch den Spreewald bzw. die Aussenbezirke. Dann hatte irgendjemand die grandiose Idee, im Städtchen Lübbenau Mittagspause zu machen, obwohl es nicht direkt auf der Route lag, sondern ein paar Kilometer entfernt. Und das war eine wirklich gute Idee. Direkt am Hafen enterten wir eine Restaurantterasse und labten uns an Spreewälder Gerichten. Das Glas 'Original Spreewälder Gurken' habe ich aufgrund des Gewichtes leider nicht mitnehmen können. Dafür haben wir aber noch ein Gruppenbild vor dem schönen Hafen mit den Spreewaldkähnen gemacht. Für die Zeitung. Morgens hatte mich nämlich eine Redakteurin einer lokalen Zeitung angeschrieben, ob ich ihr nicht ein schönes Foto von der GBI im Spreewald schicken kann. Ein Teil meine geteilten Persönlichkeit ist ja auch für die Presse der GBI verantwortlich. Gesagt - getan. Nur der kleine urige Kapitän, den Hergen fürs Foto noch rekrutiert hatte, war plötzlich nicht mehr zu sehen. Vielleicht hat der sich mit seinem Kahn vom Hof (bzw. vom Hafen) gemacht. Wir waren ihm wohl ein bisschen unheimlich.

Danach ging es dann weiter im Affenzahn zum Tropical Islands. Schon von Weitem konnte man die ehemalige Cargolifter-Montagehalle erkennen. Das ist ECHT riesig. Und je näher man kommt, desto kleiner kommt man sich vor. Aber zunächst ging es über die alte Startbahn der Russischen Luftstreitkräfte (die waren wohl als erste auf diesem Areal) zum Campingplatz. Für die Camp-Schläfer gab es mehrere Tipi-Zelte und einen ehemaligen Hangar, der jetzt als Multifunktionshalle genutzt wird. Ich habe mir den Luxus gegönnt, in einem der superneuen Mobilheime zu nächtigen, da sich meine Family für den Abend angesagt hat. Und abends um 23 Uhr, nachdem sie angekommen sind, ging es dann auch noch mal für 2 Stündchen in die Tropen. Echt klasse dort. Sogar einen Regenwald mit echten Flamingos gibt es da. Und Riesenrutschen (die leider schon geschlossen waren), die neue Amazonia-Aussenwelt (die leider schon geschlossen war) und viele Shops (die glücklicherweise schon geschlossen waren). Aber genug Wasser zum planschen war noch da. Und unsere Ägypter haben mal wieder mächtig Yalla Yalla gemacht.

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