Zunächst wird aber nochmal herrschaftlich gespeisst im Tropical Islands. Ich glaube, wir hatten noch nie so ein luxoriöses Frühstück. Quasi unter Palmen, Sonnencreme-Duft in der Nase, ging es zur Frühstückslounge. Und was es da nicht alles gab. Croissants, Rührei, Lachs - und Kaffee! Die ganzen anderen Menschen haben uns - glaube ich - ziemlich komisch angeschaut. Sonst laufen da nur Badegäste mit Schwimmflügelchen rum und jetzt eine Meute durchtrainierter Radfahrer in ihren enganliegenden Outfits. Manche haben sogar - ich weiß nicht wie - ihr Rad mit in die Halle gebracht. Beim Hinausgehen aus dem Dome (= der Tropical Islands Halle) halte ich noch freundlicherweise einem Katarischen Teilnehmer die Türen auf, weil er in einer Hand sein Highend-Karbonflitzer und in der anderen Hand den Gepäckwagen schiebt. Als wie vom Blitz getroffen draussen jemand aufspringt und eine Kamera auf uns richtet. Na endlich, dachte ich, so langsam haben die kapiert, wer ich bin. Als ich mich dann aber nach links wende und der Kameramann sich nicht bewegt, wird mir klar - da war noch einer wichtiger als ich. Ich habe wohl dem katarischen Minister die Türen geöffnet, der bei der GBI Tour mitgefahren ist, und auf Schritt und Tritt von mehreren Kameramännern begleitet wurde. So durfte ich mich also für ein paar Augenblicke im Lichte des Ruhms wähnen. So etwa müssen sich wohl auch die Freundinnen/Ehefrauen von Lothar Matthäus fühlen.
Nach dieser Begegnung mit dem Minister traf es sich ganz vorzüglich, daß ich am Vorabend bereits mit einem katarisch-ägyptischen-bahrainischen Team handelseinig geworden bin und nun heute mit zwei netten Damen und 4 netten Herren aus dem Land der aufgehenden Sonne zusammen fuhr. Insbesondere meine nur rudimentär vorhandenen Kenntnisse von Bahrain wurden an diesem Vormittag kräftig verbessert. So habe ich gelernt, daß Bahrain aus 30 Inseln besteht und die Hauptstadt nicht Abu Dabi, Doha oder Dubai ist, sondern Manama ist. GBI bildet!
Mit dabei ist auch Aiman, mein allerallererster Teamcaptain bei der GBI 2009. Schön, mal wieder ein bisschen mit ihm zu fahren und zu plaudern, denn wir fahren ein relativ gemütliches Tempo. Die 50 Kilometer zum Nutritionpoint lassen sich locker bis zur geplanten Gruppenfahrt um 12:45 Uhr machen. Und dann ist da noch Saber und Fayza, unsere beiden bahrainischen Mitfahrer. Fayza hatte ich bei der Hotelplanung (die auch Teil meiner geteilten GBI-Persönlichkeit war) noch als Mann identifiziert und glücklicherweise dank Google nochmal korrigiert. Hui, daß hätte Ärger gegeben. Jedenfalls alles total sympatische Personen. Und hier muß ich nochmal erwähnen, daß die GBI echt hilft, Vorurteile zu verwerfen. In den Medien kann man ja heutzutage fast nicht mehr anders als sich einen Araber mit Sprengstoffgürtel und eine Araberin nur vollverschleiert vorzustellen. Das das aber nur eine supersupersuperkleine Gruppe Bekloppter ist (die es bei uns leider auch immer wieder gibt), kann man immer wieder auf den GBI-Touren feststellen. Die arabischen Fahrer und Fahrerinnen sind absolut weltoffen, tolerant, liebenswürdig und gesellig. Und ja, manche beten sogar und einige Frauen tragen auch ein Kopftuch. Das habe ich allerdings auch bei einigen der westlichen Frauen gesehen. Also, Vorurteile adé, GBI sei dank.

Am Nutritionpoint wurde sich dann gesammelt für die abschließende Gruppenfahrt bis zum Vodafone Office in Berlin. Vorne weg Jürgen mit dem Touroffice als rollende Disko. Davor und daneben unser Begleitschutz, bestehend aus diversen Motorrädern der Malteser, Polizei und unserer eigenen Motorradbegleiter, und dann kam ein nicht enden wollender Konvoy aus fröhlich und entspannt radelnden GBI-lern. Die Musikauswahl reichte von Toten Hosen über Helene Fischer bis zu arabischen Diskogesängen. Und es blieb viel Zeit, sich nochmal mit den in den letzten Tagen neu kennen gelernten und wiedergetroffenen Menschen zu unterhalten. Da kommt richtig Wehmut auf, wenn man bedenkt, daß in ein paar Stunden alles vorbei ist, die Fahrer und Helfer sich in alle Himmelsrichtungen verstreuen und vermutlich erst im nächsten Jahr wieder zusammen kommen. Aber erstmal wurde die letzte Strecke bewältigt. Eigentlich fehlte nur noch das Lied 'Die Karawane zieht weiter, der Sultan hat Dorscht'. Da hätten die Araber aber Augen gemacht.Im Ziel in Berlin erwarteten uns dann doch einige Menschen - Verwandte, Freunde und Kollegen, und die Fahrer wurden herzlich begrüsst. Vodafone hat dann auch noch etwas zu Essen und Getränke bereitgestellt, bevor es zum letzten Tagesordnungspunkt ging. Auf der improvisierten Bühne (eines LKWs) hat Michael Leuenberger erstmal die Schuldigen der aktuellen Tour zu sich zitiert. Da musste ich wohl oder übel mit hoch, denn mit Mario hatte ich die Tour vorgeschlagen. Und Thomas durfte mit auf die Bühne, weil er die Strecke so super ausgetüftelt hat. Danach wurden noch die Helfer geehrt. Zurecht! Was die in der Woche wieder geleistet habe ist unglaublich. Am ersten Tag klappt noch vieles nicht, aber die Lernkurve geht immer steil nach oben und spätestens am dritten Tag läuft alles wie am Schnürchen. Und unsere freiwilligen Helfer sorgen für kalte Getränke, leckeres Essen, stehen für alle Fragen zur Verfügung und bauen uns ein behagliches Camp auf. VIELEN DANK LIEBE HELFER.
Bei der Verkündung der Spendensumme gab es gleich zwei Überraschungen. Zum einen hat Etienne, der einzige Starter für Südafrika alleine 19.000 € eingesammelt und damit soviel wie noch kein anderer Fahrer vor ihm. Und die katarischen Fahrer (ca. 40) haben insg. über 380.000 € eingesammelt. Damit ist die Gesamtspendensumme in diesem Jahr mal schlapp mehr als verdoppelt worden im Vergleich zu 2016. Über 520.000 € kamen so insgesamt zusammen. Bombastisch.Und der Höhepunkt war dann natürlich die Verkündung der Strecke für 2017. Die Routen Tanger in Marokko über Gibraltar und Sevilla nach Lissabon und London-Düsseldorf haben sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Mit drei Stimmen Mehrheit hat dann schließlich [Trommelwirbel] die Strecke London - Düsseldorf gewonnen. Es hätte nur noch gefehlt, daß Michael die Siegerstrecke aus einem Kuvert ziehen und die Zauberformel spricht 'And the winner is ...'.








